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Ladomat 2000 – Unser House Deutschland?

Lesedauer ca. 25 Minuten
Mein zentraler Beitrag zur zweiten Testcard-Ausgabe (»Inland«) – ein längeres Gespräch mit dem und über das deutsche Ladomat 2000-Label aus Hamburg.

Erschienen 1996 in Testcard #2.

Im folgenden der Mitschnitt eines kleinen Plauderstündchens zwischen DJK, Charlotte (Goltermann, spiritus rector von Ladomat 2000, dem House-Department des Hamburger L’Age D’Or-Labels) und Dr. Frank (DJ, aka Zucker, Ex-Promoter von Ladomat), geführt an einem lauen Sonntagmittag in Dr. Franks Berliner Loft.

DJK: Ist Ladomat wegen MILCH gegründet worden?

Charlotte: Ja – d.h. es gab vorher noch eine BUNGALOW-EP. Das war die Nullnummer, die hat sich 72 mal verkauft … war ’ne recht tolle Platte, hatte aber wenig mit House oder Elektro zu tun. Mehr die Richtung, wie auch Andreas Dorau Musik macht: deutsche Texte mit so einem gewissen Groove – ganz schön.
Dann gab es MILCH – und die Remixe von ACID JESUS u.a. ganz netten Leuten. Ich habe dann festgestellt, dass es so angenehm und unproblematisch ist, mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten, und ich war von der Musik begeistert. Man macht eine Maxi, verkauft die einige hundert mal, und dann geht das Leben einfach weiter – auch die Künstler sind so unkompliziert, so gut erzogen, nicht solche Rock-Prolls (Gelächter).

DJK: Es gibt ja schon einen relativ engen Künstlerstamm: es ist ja nicht so, dass Ladomat 2000 alles rausbringt, sondern es gibt von EGOEXPRESS oder NETTO bereits je zwei Veröffentlichungen, und ACID JESUS sind SENSORAMA als auch ROMAN IV, …

Charlotte: … und WHIRLPOOL ist da auch mit vernetzt: Ja, es gibt schon auch immer mal das eine oder andere gute Tape, das wir bekommen, aber bei Ladomat 2000 geht es auch darum, dass man gelernt hat, in so einem Popkontext mit den Leuten zusammenzuarbeiten, d.h. dass Künstler eine bestimmte Entwicklung auch haben sollen.
Die Leute sind einfach ziemlich talentiert, und Ladomat 2000 ist die Plattform, die man ihnen geben kann. Es geht also nicht darum, eine Maxi von irgendjemandem zu machen und dann die nächste usw., sondern darum, mit Künstlern über längere Zeit zusammenzuarbeiten und die Leute aufzubauen – was dabei ganz interessant ist, ist eben auch die Album-Kultur: dass man eben nicht, wie auf einer Maxi, zehn oder 20 Minuten Zeit hat, sondern mehr als eine Stunde.

DJK: Es gibt ja erst zwei Alben auf Ladomat 2000: WHIRLPOOLs »Brian De Palma« und »Welcome Insel« von SENSORAMA. Und: auf Ladomat 2000 finden sich durchgehend deutsche Acts (außer der Remix-EP des GUM-Teams). Wieso? Spielt da die L’Age D’Or-Philosophie mit rein, dass man sich um nationale oder lokale Acts kümmert?

Charlotte: Ja klar – außerdem sind das ja auch die Leute, mit denen man zu tun hat oder mit denen man auch arbeiten kann. Es kann ja nicht darum gehen, irgendetwas von irgendjemandem zu veröffentlichen – es geht vielmehr um eine künstlerische Zusammenarbeit. Und: klar geht es auch um die L’Age D’Or-Tradition »Musik in Deutschland«. Es könnte schon der eine oder andere ausländische Act auf Ladomat 2000 veröffentlichen, aber für uns ging es am Anfang auch um ein Forum für Leute, die schon länger aktiv sind und mit Rock oder Pop aufgewachsen sind und heute etwas anderes machen – und das waren nun einmal die Leute, die du heute auf Ladomat 2000 findest. Als deutsches Label kümmerst du dich eben auch um deutsche Leute, klar.

Dr. Frank: Es ist einfach auch so, dass es von der Zusammenarbeit her besser ist – mit BALO (GUM-Remix) war es so, dass man eben ein paar mal telefoniert, die schicken ihre Sachen auf DAT, kriegen ihr Geld und das wars dann auch schon. Das macht eine gute Zusammenarbeit natürlich schwieriger.

DJK: Mit Diskomat habt ihr versucht, eine Anonymität, wie sie bei House-Musik vorherrscht, insofern aufzubrechen, als ihr versucht habt, die Musik einem Publikum zu präsentieren, das nicht primär aus einer House-Klientel besteht.

Charlotte: Ja, wobei es nicht darum ging, dass man Ladomat-Platten spielt, sondern es ging um bestimmte Leute, die bei Ladomat 2000 mitmachen oder zu unserem Freundeskreis gehören, und mit denen man sich einfach amüsieren wollte; und weil in Hamburg zu dem Zeitpunkt auch der Club-Gedanke komplizierter war – alles gleich so groß und fett. Es ging darum, dass man für 5 Mark einfach eine gute Party haben konnte, und es war so unkompliziert, d.h. die Leute haben erstmal aus Spaß und umsonst aufgelegt.

DJK: Welche Läden waren das denn, wo Diskomat stattgefunden hat?

Charlotte: Das waren so Rockläden – das »Kir« beispielsweise ist so ein traditioneller Wave-Rock-Indie-Gitarren-England-Laden, und da gehen eigentlich ganz andere Leute hin, die nicht zu einem House-Publikum gehören.

Dr. Frank: Damit hat man ganz automatisch ein anderes Publikum gehabt, weil ja auch der konventionelle House-Gänger in solche Läden schwer reinzukriegen ist – wenn der den Namen von dem Laden hört, weiß er ja, was da normalerweise so abgeht.
Da sind dann schon auch eher Grenzgänger dagewesen, und es war ein total gemischtes Publikum: von Langhaarigen … ja, und dann ist eben doch der eine oder andere House-Gänger dazugestoßen. Aber es ist in Hamburg eh schwer, etwas Neues zu machen.

DJK: Man hat ja beim – ich nenne das jetzt mal so – »Indie«-Publikum den Vorteil, dass die immer so tun, als wären sie aufgeschlossener und experimentierfreudiger. Weil »die« ja auch die »andere« Musik hören.

Charlotte: Finde ich überhaupt nicht. Gerade »Indies« sind sowas von halsstarrig.

DJK: Ja natürlich, aber …

Charlotte: Quatsch! Die haben auch nie so getan: die haben sich das mal angeschaut, weil wir so bekannt sind – L’Age D’Or hat da auch eine Rolle gespielt – und dann standen da die ganzen Musiker und haben gesagt »Aha, interessant«, aber im Prinzip funktioniert darüber nichts. Wenn du einen Club machst, dann müssen die Leute tanzen. Gut, nicht unbedingt, sie können sich auch anders amüsieren und gut unterhalten, aber mit »Indies« ist es eben schwierig, die sind eben doch sehr verkopft, und bei Ladomat 2000 oder bei Diskomat geht es eben nicht so sehr um Verkopfung.
Diskomat gibt es jetzt auch als Booking-Agentur, z.B. für EGOEXPRESS, NETTO und verschiedene DJs, die auch gebucht werden können. Und dann eben auch im kleineren Rahmen: NETTO treten auch gerne einmal auf einer Studentenparty auf … wie in Frankfurt, wo dann der Laden gerade dicht gemacht werden soll, als wir ankommen um 1.30 Uhr … aber dann auch in Läden wie dem Ultraschall in München.

Dr. Frank: Und vielleicht doch wieder etwas regelmäßiger als Diskomat, z.B. im »Powerhouse«.

Charlotte: Ja, mal schauen …

DJK: Du hast mir einmal erzählt, dass bei einem Diskomat-Abend überwiegend älteres Publikum da war, Durchschnittsalter über 30?

Dr. Frank: Das waren eher ältere Leute – naja gut, noch älter natürlich nicht; sagen wir: unser Jahrgang plus X. Ist ja klar: das sind ja die Indie Leute, und die sind eben nicht 15. Wenn du auf ’ne Mayday gehst, dann ist da ein anderes Publikum, und das ist logischerweise jünger.

Charlotte: Naja, Musik, die die Kids hören, ist einfach Chartsmusik – und wir machen eben Musik für Leute, die so drauf sind wie wir. Ich habe mir zwar diese Nick Cave/Kylie Minogue CD-Maxi gekauft – ich glaube aber nicht, dass wir dafür so die klassischen Käufer sind. Von NETTO eine CD-Maxi zu machen, wäre einfach irgendwie … tja … die Leute hören die Musik ja auch ganz woanders. Die Ladomat 2000-Sachen hörst du entweder zuhause oder in so kleinen, komischen Clubs und eben nicht auf der Mayday …
Nein, es wird auch unterwandert, und ich find so was wie die Mayday nicht schlecht: Ich gehe gerne zweimal im Jahr auf die Mayday, das muss ich immer wieder sagen. Es gibt so vieles in der elektronischen Musik, und für jeden ist irgendwie Platz, das finde ich am allerbesten – eine Mayday tut überhaupt niemandem weh, nimmt niemandem etwas weg … wir machen eben Musik für 25-Jährige und ältere.

DJK: Jetzt kommen hier auch schon die Altersangaben – es ist im Moment total in, Altersangaben zu den jeweiligen Tonträgern zu liefern. Diedrich Diederichsen hat in der Spex eine Platte besprochen und gleich die Altersangabe mitgeliefert: 35 aufwärts.

Charlotte: Ja, ich glaube das ist so, wenn du in ein bestimmtes Alter kommst, dann macht das ganz schön viel aus.

Dr. Frank: Das ist es halt auch beim Diskomat – so junge Menschen, also ich rede mal von 15-Jährigen, ja? – sind eben auch nicht so experimentierfreudig. Die gehen auf die Mayday, da wissen sie, da ist Westbam da, und der DJ Hooligan – da wissen sie was läuft.

Charlotte: Und die Anlage ist super, das ist eine ganz andere Amüsiervorstellung.

Dr. Frank: Und das ist eben bei Diskomat anders.

Charlotte: Da bist du in einem kleinen dunklen Club und der DJ vermixt sich wahrscheinlich noch irgendwie so fünfmal in der Stunde …

Dr. Frank: … kann ich nicht gewesen sein! …

Charlotte: … weißt du – der Club ist klein und dunkel …

Dr. Frank: … es ist alles anders – es ist auch nicht so hysterisch wie »Wow! Heute abend haben wir alle Ausgang und wir knallen uns irgendwie zu oder wir haben einfach tierisch Spaß«. Diskomat ist eine ganz andere Geschichte und das sollte es auch sein – und es gibt ja auch ein Publikum dafür … irgendwo auf der Welt.

Charlotte: Es gibt tausend Möglichkeiten, etwas zu machen, und die Kids sind nicht besser oder schlechter – es gibt immer Leute, die die Platten kaufen, die Frage ist eben, ob du die Power hast, die zu erreichen. Ich meine, das ist schon ein ganz schöner Zauber, den wir da machen: da werden schon viele Platten verschenkt und verschickt.
Es ging immer darum, dass die richtigen Leute auch die Musik hören – ich glaube, die meisten Leute haben mehr über Ladomat 2000 gelesen, als sie davon Platten gehört haben, und das finde ich eigentlich schockierend: Dass da so eine Hype-Maschinerie doch wieder in dem Bereich greift, wo du gedacht hast »das gibts nur bei Rock« und eher in den 1980ern als heute – und das passiert mit Ladomat 2000 auch: Wir sind in der Presse mehr präsent, als wir in den Plattenregalen präsent sind. Und ich weiß von Plattenläden, dass die Ladomat 2000-Platten eben nicht automatisch bestellen, weil jede dritte Platte eben doch ein arger Aussetzer ist: die ist quasi unverkäuflich; also ordern die Läden nicht jedesmal automatisch fünf oder zehn, sondern die hören sich die immer schön tapfer an, und einige werden eben nicht bestellt.

DJK: Der ganze House-Bereich lebt ja gewissermaßen davon, dass die einzelnen Labels eine gewisse Handschrift und eine eigene Ästhetik haben. In England Warp Records, oder Source Records in Heidelberg – ich nenne jetzt wirklich nur ein paar bekannte – Harthouse oder Eye-Q in Frankfurt … Ladomat 2000 hat ja auch eine ganz eigene Ästhetik in der Musik, die ich vorher so noch nicht gehört habe. Ich habe es vorher schon zu Frank gesagt die ersten Scheiben, die ich von Euch bekommen habe, waren schon geil, aber die NETTO z.B. musste ich erstmal ein Jahr im Schrank liegen lassen … dafür läuft sie jetzt ständig bei mir. Wenn ich auflege in Würzburg – es ist ja keine Diskothek in dem Sinne, sondern ein kleiner Keller, wo die Musik trotz fehlender Tanzfläche ordentlich laut ist – also: da habe ich zwei Jahre lang fast überwiegend Ambient- und Soundsachen laufen lassen – immer vier Platten gleichzeitig – und nur zur besten Zeit um Mitternacht immer wieder kleine Dance-Sets gespielt. Na gut, ich musste (und wollte allerdings auch) den Samstagabend abgeben, denn meine Wochenenden waren zwei Jahre lang kaputt durch diesen ständigen Termin.
Ich bin also auf Mittwoch gewechselt, weil das ein normaler Tag ist …

Charlotte & Dr. Frank (unisono): … Diskomat-Tag! …

DJK: … und ich hatte auch echt keinen Bock mehr, es den ganzen Abend so vor sich hinblubbern zu lassen. Ich dachte immer, dass Ambient die Musik ist für einen Ort, an dem du nicht unbedingt tanzen kannst – obwohl in diesem Keller auch schon Leute getanzt haben. Na ja, der Ladomat 2000-Sound ist jedenfalls das genaue Gegenteil von Ambient: am letzten Mittwoch hatten wir nur zwei Stunden lang Leute im Keller, aber den gleichen Umsatz wie sonst in vier Stunden – und in diesen zwei Stunden waren alle auf 180, selbst die, die einen Sitzplatz hatten, nickten die ganze Zeit mit ihrem Kopf im Rhythmus, weil dieser Sound eben auch enorm fickrig ist und fickrig macht.

Charlotte: Also, als fickrig würde ich unseren Sound nicht bezeichnen, es ist eben ein guter Trash-Sound.

DJK: Der allerdings etwas Hypernervöses an sich hat eine beliebte Reihenfolge von mir beim Mixen sind eben EGOEXPRESS, NETTO, … da fällt die TOYS COME TO LIVE-EP wieder völlig aus dem Rahmen, die ist richtig »glattes« Party-House, während die anderen Sachen für mich mehr mit dieser Ästhetik zu tun haben, die Frank und ich früher schon gerne gehört haben – aus dem Industrial- oder EBM-Umfeld: stumpfe Beats und eine leicht agressive Grundstimmung.

Charlotte: Ja, die DLUGOSCH-Platte ist die, die auf dem Label wirklich aus dem Rahmen fällt … aber diese Denkweise ist eben auch verwurzelt in der Tradition, die wir haben, dafür sind wir da, dass so etwas dann veröffentlicht wird. Abgesehen davon gibt es Leute die meinen, das sei die erste Ladomat 2000-Platte, die man im Club spielen könne – das empfinde ich nun z.B. überhaupt nicht so.

Dr. Frank: Ich fands auch gut, dass die rauskommt: als ich nach Hamburg gekommen bin und bei Ladomat 2000 zu arbeiten angefangen habe, habe ich gemerkt wie hier jeder in seiner Schublade so eigenbrötlerisch vor sich hinwurstelt – es gab keine Zusammenarbeit, es gab die Boris DLUGOSCH-House-Ecke, es gab Container, die ihr eigenes Ding gemacht haben, und dann Ladomat 2000, das irgendwie neu war und wo alle erstmal die Nase gerümpft haben: »Neue Geschichte – und wo ist die Tradition?« – und ich hab eben auch versucht mit allen, die ich so kennengelernt habe, etwas zusammenzumachen, wenn man schon in einer Stadt sitzt und sich für eine Musik begeistert, und ich finde das einfach total gut …

Charlotte: … ich finde das total unwichtig …

Dr. Frank: … finde ich nicht: ich denke, man sollte mehr zusammen machen.

Charlotte: Nein, ich finde, es liegt generell an Deutschland, dass jeder so vor sich hinmacht und für mich ist Ladomat 2000 kein Hamburg-spezifisches Label.

Dr. Frank: Es geht ja auch nicht um Hamburg, sondern darum, dass man sich nicht immerzu voneinander abgrenzt und locker ab und zu zusammenarbeiten könnte.

Charlotte: Ja, aber das war so eh nie der Fall: Wir haben ja auch gleich mit Playhouse aus Frankfurt/Main etwas zusammengemacht. Es muss nicht Hamburg sein, sondern es geht um die Leute und darum, dass man aus seinem superkleinen Umfeld einfach auch mal rausschaut, was sonst noch so passiert. So wie GUM, die aus Würzburg kommen, oder WHIRLPOOL aus Köln, oder SENSORAMA aus Darmstadt – das spielt überhaupt keine Rolle, weil dadurch, dass das alles Leute sind, die einen bestimmten kulturellen Hintergrund auch haben, kommst du einfach mit denen klar. Es geht einfach darum, dass man etwas macht und versucht, es dahinzubringen, wo es auch sein muss – und dass es irgendwoher kommen kann. Es geht nicht um Hamburg, München oder irgendwelche Connections.
Für die Leute da draussen ist Hamburg auch überhaupt keine House-Stadt mehr, und auch Ladomat 2000 wird, wenn die Leute darüber schreiben, nie so als Hamburger Label aufgeführt – was ja bei Container oder Superstition schon sehr stark der Fall ist.

DJK: Wie lange gibt es Ladomat 2000 jetzt?

Charlotte: Knapp zwei Jahre.

DJK: Wie siehst du die Entwicklung im House-Bereich, gerade in Deutschland, wo es ja auch seit spätestens 1990 ein Thema ist (House an sich ist ja doch schon viel älter). Es gibt hier mittlerweile genügend Labels, die House oder Techno veröffentlichen – wobei hier wieder die alten Definitionsschwierigkeiten auftauchen: was ist House, was ist Techno … die VILLALOBOS-EP z.B., die man ja auch TripHop nennen könnte: Zwei Stücke à 20 Minuten, das ist ja kein House mehr.

Charlotte: Deshalb haben wir sie auch veröffentlicht: Das ist eine ganz eigentümliche, magische Platte – und darum geht es bei Ladomat 2000 – House ist einfach der Oberbegriff für eine bestimmte Form von Gefühl. Das kann Elektro sein, oder Techno, oder TripHop – es geht einfach darum, dass es ein merkwürdiger, interessanter Sound ist. Und es geht um das Gefühl – dass es so eine Hitze hat und ein starkes Gefühl und eine Merkwürdigkeit – dass du dir das auch mal zuhause anhören kannst. Die DLUGOSCH-Platte z.B. ist keine Platte, die ich mir zuhause anhören würde, NETTO, EGOEXPRESS oder WHIRLPOOL auf alle Fälle. Die DLUGOSCH ist im Club gut, bei NETTO oder EGOEXPRESS muss man schon gute Nerven haben, um die als DJ aufzulegen, ganz klar.
Teilweise sind eben auch die Platten bei Ladomat 2000 so, dass eventuell ein Stück drauf ist, das man im Club spielen kann – die meisten Stücke sind allerdings voll und zugemacht, da sind ganz viele Ideen drin, und das ist zum Mischen eben nicht ideal. Ist auch nicht so gedacht: Wenn so eine im Club läuft, dann kann die auch vor sich hin laufen im Vorprogramm.

DJK: Das empfinde ich wieder ganz anders: Das sind total geile Platten zum Mischen, du kannst zwischen den Stücken hin- und herspringen.

Charlotte: Ja, die neuen sind besser zum Mischen, weil die Musiker inzwischen auch selber auflegen und damit mehr Erfahrung haben. EGOEXPRESS sind Leute aus dem klassischen Rockbereich, die waren bei der REGIERUNG und beim NEUEN BROT und bei BUNGALOW; NETTO ist ein Teil von MILCH … das sind Rockbands, und die sind da ganz anders rangegangen: Die haben die Maschinen für sich entdeckt und haben da erstmal etwas rumgeschaut.

Dr. Frank: Bei EGOEXPRESS ist die Entwicklung ja ganz klar zu sehen: Die erste ist zwar wunderschön, aber die funktioniert ja echt nicht im Club – und auf der neuen ist eben wirklich ein Hit drauf.

Charlotte: Es kommt auch darauf an, wie man die einsetzt: In diesem klassischen, eingeschränkten US-House-Kontext würde so eine Platte nicht gespielt werden.

DJK: Aber das ist doch gerade interessant: dass es eben kein US-House ist.

Charlotte: Ja klar, darum geht es ja, und es sollte auch nie anders sein. Die neue NETTO oder die neue EGOEXPRESS sind ja auch nicht so. Es geht nicht um eine Tradition wie in Amerika oder England: Wir sind hier, und es gibt bestimmte Leute, die so etwas machen, und das ist eben gut so – es geht doch darum, dass man die Musik mag und dass die Leute die Musik hören und sich freuen können und etwas mit der Platte erleben können.
Die Platten sind alle relativ fordernd und egoistisch: Die wollen schon sehr viel Aufmerksamkeit haben, das ist auch der typische L’Age D’Or-Pop-Gedanke: Da ist jemand, und der gibt dir etwas, aber der verlangt auch etwas von dir – du bist nicht so ein stumpfer Hörer, sondern du musst dich natürlich auch ein Stück weit darauf einlassen – das ist die Grundidee.

DJK: Die Halbwertszeit liegt bei den Ladomat 2000-Platten ziemlich hoch, glaube ich: Auf der einen Seite sind sie sehr hart bzw. man kommt sehr schnell rein und bekommt die Idee mit, auf der anderen Seite sind sie tatsächlich ziemlich vollgepackt – es ist eben auch ein Sound, wie ich ihn sonst noch nirgends gehört habe, ich könnte jetzt kein vergleichbares Label nennen. Was jetzt nicht heißt, dass ich tausend Labels kenne, aber man kennt ja einige Sachen. Mir fällt also nichts vergleichbares ein, im Inland schon gar nicht.

Dr. Frank: Zum Beispiel die erste NETTO – das ist ja ganz typisch, dass es bei Dir funktioniert – ich fand damals, und das war auch offensichtlich, dass die Platte und der Sound zu früh da war. Wenn die jetzt rauskäme, würde die viel mehr brechen als damals.

Charlotte: Nein, es geht ja auch weiter. Die Platte haben genau die richtigen Leute gehört und gespielt.

Dr. Frank: Aber nur wenige richtige Leute.

Charlotte: Ja, aber das ist egal. Du musst dir ja auch ein Umfeld aufbauen, und wenn du eine Platte zur richtigen Zeit bringst, dann …

DJK: … ist es eigentlich schon zu spät …

Charlotte: … auf alle Fälle, ganz klar.
»Zu spät« gibt es auch nicht, die Platte ist da, und die kann ja nie zu früh sein: Die Leute sind eben zu spät dran – nein, das würde ich auch nicht sagen. Die richtigen Leute haben die Platte gehört, und sie ist in den richtigen Läden gelaufen, und es geht ja nicht darum, hier irgendeinen Mainstream zu machen.

Dr. Frank: Nein, das will ich ja auch gar nicht sagen. Es ist aber interessant, so wie es ihm geht: Er hat sie da rumstehen, hört sie und denkt plötzlich »Wow! die ist ja cool« – hatte sie aber die ganze Zeit in der Ecke stehen.

Charlotte: Ja, aber was wir zum Beispiel gestern gehört haben, die Platte, die Armin aufgelegt hat – was so ein Superklassiker ist …

Dr. Frank: … ja …

Charlotte: … das ist eine Scheibe von 1987 gewesen. Das ist eben das Schöne, dass es so eine Zeitlosigkeit gibt, und ich glaube, die Platte kann man auch in zwei oder fünf Jahren noch gut hören und neu entdecken.

Dr. Frank: Es sind einfach langlebige Geschichten. Was ich mir aus dem typischen House-Bereich gekauft habe in den letzten Jahren, US-Geschichten und so was, die stehen heute in der Ecke und bleiben da auch für immer stehen: Die sind eben durch, weil sie zu stumpf gemacht sind und es gibt eben nur eine bestimmte Stumpfheit pro Quartal, und wenn diese Stumpfheit vorbei ist, dann ist auch die Platte vorbei und steht da für den Rest ihrer Tage. Das ist bei Ladomat 2000 – und an der ersten NETTO kann man das wirklich sehr schön sehen – einfach anders.

DJK: Die erste NETTO hat eben auch eine Radikalität, die sich nie durchsetzen wird als Konsens …

Dr. Frank: … ja …

CHARLOTTE: … das sehe ich auch so …

DJK: … und da sind für mich auch mehr Parallelen zum Underground der frühen 1980er da, die schon geile Sachen gemacht haben, die jedoch nie eine breitere Akzeptanz gefunden haben.
Klar, irgendwann reden alle darüber, »man weiß ja, was da vor zehn Jahre passiert ist«, und jeder tut so als wüsste er, was da war, aber tatsächlich ist diese Musik zu radikal und zu kompromisslos im Gegensatz zu vielen anderen, auch guten, House-Sachen.
Es gibt ein bestimmtes Muster, nach dem die Sachen aufgebaut sind, und auch NETTO oder EGOEXPRESS bewegen sich natürlich in diesem Muster, aber auf so eine Art und Weise, dass du an dieses Muster nicht mehr denkst – was meiner Meinung nach das positivste an den ganzen Ladomat 2000-Platten ist: Dass du eben nicht denkst, das ist House 1-2-3-4, 1-2-3-4 …

Charlotte: Darum gehts ja auch nicht. Es geht tatsächlich um die Freiheit – und Leute wie WHIRLPOOL, SENSORAMA u.a. sind alle extrem hoch begabt. Und: mit denen kann man viel Spaß haben … ich bekomme momentan viele Demos geschickt, die klingen wie SENSORAMA, aber was solls?

Dr. Frank: Ich glaube, es liegt daran, dass die Leute eine musikalische Vergangenheit haben und von einer anderen Tradition her kommen und diesen House-Kontext als etwas neues finden, wo sie neue Sachen machen können, ihre Wurzeln aber nicht vergessen.

Charlotte: Ja, das ist auch sehr unverkrampft: Du machst eine Maxi, da arbeitest du ungefähr zwei Wochen dran, oder zwei Abende, oder zwei Stunden – und dann kommt die Platte raus und verkauft sich 200 mal oder 500 mal oder mehr; dagegen: an einem Pop-Album arbeitest du ein Jahr. Deshalb sind die Leute bei Ladomat 2000 sehr unverkrampft, es gibt keine Regel, die eingehalten werden muss, es gibt keinen Erfolgsdruck. Alles ist relativ billig herzustellen und zu machen, und es kaufen ein paar hundert Leute die Scheiben, die Musik läuft in einigen Clubs – und dann geht das Leben weiter.
Und dann: Als die erste WHIRLPOOL kam, wenn man die hört – das ist einfach auch ein Glücksgefühl für dich selbst, weil du die rausgebracht hast. Es gibt einfach Platten, die sind immer da und begleiten dich immer wieder, und es gibt Platten, die verlierst du aus den Augen – es geht also darum, dass der Sound dir auch immer wieder etwas mitzuteilen hat oder Spaß macht. Wir hören eben auch alle nicht nur Strictly House oder Techno oder Elektro – und das merkst du den Platten ja auch an – und gehen nicht nur in die Clubs.

Dr. Frank: Und das ist genau das Ding: es gibt ja diese neue Generation von Techno-Leuten, die Jungen, die 16/17 sind – die noch nichts anderes gehört haben und noch nichts anderes gemacht haben. Und da merkt man einfach den Unterschied: in deren Musik ist nichts drin, das ist bloß stumpf.

Charlotte: Na, so hart würde ich das nicht formulieren …

Dr. Frank: … doch, ich schon. Ich meine, hör dir doch mal Gabber oder Hardcore an – die kennen nichts anderes.

DJK: Diese Musik kann aber auch nur bei solchen Leuten funktionieren …

Dr. Frank: … klar, und das ist ja auch der Unterschied, die haben einfach nicht diese Herangehensweise.

Charlotte: Das ist aber doch kein Qualitätsunterschied! Wir machen eben etwas anderes, und auch Musik für andere Leute. Das ist schon okay, dass es diese Platten gibt, die stumpf sind, und das kann im Club schon auch ab und zu nett sein, finde ich.
Das ist doch klar: Du kennst irgendwie Punk noch von früher und hörst eine Green Day-Platte und findest die scheisse, weil du Vergleichsmöglichkeiten hast. Aber ein 15-Jähriger, der so etwas zum erstenmal in seinem Leben hört und noch nie mit Punk konfrontiert worden ist, für den ist das der Ausgangspunkt.

Dr. Frank: Das mache ich ihm auch nicht zum Vorwurf, sondern ich mache das an meinen eigenen Kriterien fest – und für mich ist da schon ein Qualitätsunterschied: Das ist nicht mein Ding, damit habe ich nichts zu tun. Aber das gehört ja doch irgendwie in den gleichen Rahmen dazu, und da möchte ich mich dann doch schon abgrenzen.

Charlotte: In erster Linie geht es bei Ladomat 2000 auch um eine Offenheit, die Leute sind einfach für mehr Sachen zu haben – bei uns spielt sich höchstens ein Drittel im Clubkontext ab.
Auch mit den klassischen Drogendingern – das hörst du einfach – haben wir nichts am Hut, Musik funktioniert für uns anders. Es geht um die Liebe zur Musik, und deswegen muss die Musik auch einen gewissen Inhalt transportieren, und das zu beweisen ist unser Ehrgeiz: Dass man auch bei so einem Club-Elektro-Techno-House-Label genauso einen Hintergrund hören und haben kann wie mit einer Pop-Platte.

DJK: »Brian De Palma« ist doch eine Pop-Platte – es ist keine Doppel-EP mit acht geilen Stücken, die man ineinander mixen kann, sondern die geht rauf und runter, mit netten Ideen zwischen den Stücken.

Charlotte: Ja, »Welcome Insel« ist auch eine Pop-Platte, da ist ein ganz klarer Aufbau und eine gewisse Bewegung ist in der Platte drin, wie man es von einer klassischen Pop-Platte erwarten würde – die Anordnung der Stücke, das Auf und Ab – die Platte lebt nicht so stark von Wiederholungen, sondern von einer prinzipiellen Aussage. Und das finden wir gut.

DJK: Ja, und das ist eben auch der Unterschied zu diesem Gabber-Zeug oder zu dem anderen stumpfen Techno-Zeug: das kann natürlich niemals auf einem Album funktionieren, das stelle ich mir als echte Qual vor. Eine Platte wie »Brian De Palma« ist ja doch eigentlich weniger was für den Club, als vielmehr eine Scheibe für zuhause.
Ich war auf alle Fälle überrascht, als ich die Platte zum erstenmal gehört habe – dass so etwas im House-Kontext möglich ist; und es bleibt ja weiterhin eine House-Platte.

Dr. Frank: Ja, aber das ist ja auch das Prinzip von House – dass man so eine Basis hat, auf der man dann arbeiten und da einfach viele Sachen hineintun kann – und dann kann eben auch etwas wie »Brian De Palma« rauskommen, wenn man damit umgehen kann.

Charlotte: Man darf aber auch nicht vergessen: Im House-Bereich gibts ja dieses klassische Indie-Ding gar nicht mehr, die Künstler gehören alle zu großen Verlagen oder veröffentlichen auch noch auf Majorlabels, arbeiten an und in verschiedenen Projekten, wo immer wieder mal etwas Geld hängenbleibt – diese Armut, wie sie im klassischen Indie-Rock-Bereich vorherrscht, aus dem wir ja alle kommen, wo du ein Jahr für eine Platte brauchst und nebenbei was weiß ich machen musst, um Geld zu verdienen, und dann hat sich die Platte bloß 500 mal verkauft: So etwas gibts ja gar nicht mehr. Heute kauft ja die Industrie alles ein, ob das jetzt verlags- oder labeltechnisch ist, was ein bisschen funktioniert. Und dadurch haben die Leute ganz andere Möglichkeiten, Musik zu machen. Die erste NETTO ist mit zwei Maschinen entstanden, bei Ralf zuhause – da brauchst du kein Studio und nichts … es sind einfach ganz andere Möglichkeiten, es ist viel unverkrampfter.


Discografie Ladomat 2000

Bungalow: s/t (Ladomat 2001)
Der ladenhütende Erstling, irgendwo zwischen New Wave, Elektro, Acid, garniert mit einem Schuss Detroit und mit richtigen deutschsprachigen Texten (keine Vocal-Samples). Könnte mehr Leuten gefallen, als diese paar Zeilen vermuten lassen. Understatement: Labelartwork von 4000.

Milch: Bügelbretter/Housefrau-Remix-EP (Ladomat 2002)
Sechs Mixe, darunter mindestens ein beinharter Club-Knaller (von Acid Jesus). Ebenfalls mit 4000-Artwork.

Milch: Sprungbretter/Gott Ist Doof-Remix-EP (Ladomat 2003)
Wieder sechs Mixe (Whirlpool, Acid Jesus, Kotai etc.).

Milch: Bügelbretter De Luxe (Ladomat 2004, auch als MCD)
Die beiden Acid Jesus- und Plutone-Remixe plus zwei neue Remixe: wem da nicht das Wasser in die Ohren steigt, bzw. wem da nicht die Hose rutscht …

Milch: 505 (Ladomat 2005, CD-only)
Scheint eine Zusammenstellung der drei EPs zu sein (ist eine CD, hab ich also leider nicht … ).

Whirlpool: The Immunity Syndrome EP (Ladomat 2006)
Mein Favorit, All-time-Klassiker mit dem hypergenialen »Tripselnd« (drei Mixe). Ergriffenheit kurz vor der Vergriffenheit.

Sensorama: Nagelbrett (Ladomat 2007)
Hey, die hab ich verpasst! Sorry, ich muss mal eben telefonieren …

Roman IV: Dito (Ladomat 2008)
Playhouse-Lizenz: Sphärisch, nach vorne stürmendes, leicht tranciges House mit Minimal-Touch. Schön.

Drunken Sailor: EP For Charlotte (Ladomat 2009)
Ich kenne Leute, die diesen Sound als »putzig« bezeichnen würden: freundliche, minimale Rhythmik – ein High-Quality-Produkt mit dem Ladomat Understatementfaktor 10.

Netto: s/t (Ladomat 2010)
»Elektro Funk«? Elecktro Phunck: pur; schnörkellos, hart.

Whirlpool: Harvest (Ladomat 2011)
Auskoppelung aus dem »Brian DePalma«-Album.

One In A Billion: Soulfood (Ladomat 2012)
Das Höschen auf dem Label läßt mein kleines Herz ebenso schneller schlagen wie die ergreifenden Vocalfetzen: »… and then you find yourself alone« – Schmachten zwischen House und Trash.

S.I.A.: Back From Wonderland (Ladomat 2013)
Die Sick Intelligence Agency verfügt über einen latenten Hang zur Hysterie – ebenfalls voller dramatischer Tunes, aber auch mit dem alles wiedergutmachenden Track »Open Minded« (genau: »free your mind, your ass will follow« … ).

Egoexpress: s/t (Ladomat 2014)
Zweieiiger Zwilling zu Netto – dramatisch, rührend, und ebenfalls entschlackt. Klassiker.

Gumgarden: s/t (Ladomat 2015)
Das Gum-Team darf seine Vocal-Gelüste ausleben – »Make me wet«? Make it phett! Achtung: geringere Halbwertszeit als anderer Ladomat-Stoff.

Whirlpool Productions: Brian De Palma (Ladomat 2016 – 2×12″/CD)
Yeah: Ein Album voller toller Tracks zwischen TripHop »Harvest«, Techno und House, House, House. Tolle Ansagen zwischen den Tracks.

Mike Ink: 4 Remixe Für Andreas Dorau (Ladomat 2017)
Nochmal yeah: »Das Telefon sagt« hier nicht nur »Du«, sondern »Acid«, »Ich«, »Ab« und »Jah« – hat jemand etwas anderes verstanden?

Sensorama: Harz (Ladomat 2018)
Vier Tracks aus dem »Welcome Insel«-Album.

Balo Meets Gum: s/t (Ladomat 2019)
Hm hm hm – ich sag da nichts zu (warum muss hier überhaupt jemand ständig irgendetwas sagen?)

Villalobos: The Contempt (Ladomat 2020)
12″? Eher LP: zweimal 20 Minuten laden Dich ein auf die post-psychedelische Reise (auch wieder eine Playhouse-Lizenz). Guter Stoff für Kopf und Beine.

Netto: The World Of Netto (Ladomat 2021)
Oooaaahhh – sie kehren zurück, wieder nur mit einer 4-Track-EP: verdammt, wo bleibt die 5-LP-Box? Entweder Du liebst sie, oder Du hasst sie: am Arsch vorbei geht Dir das hier sicherlich nicht.

Sensorama: Welcome Insel (Ladomat 2022 – 2×12″/CD)
Ein großartiges Konzeptalbum, das keines ist, dafür aber eine der schönsten Sammlungen zeitgenössischer U-Musik zwischen knallhart-guten Tanznummern und superbem Listening-Stoff – immer wieder neu entdecken. Essentiell!

Egoexpress: Egoexpresszwei (Ladomat 2023)
Ja doch: ich will mehr! Mehr!

Miguel Martinez: Stir 15 Vs Playhouse (Ladomat 2024)
Playhouse-Lizenz: seltsam-melancholische Musik, die ins Bein geht und es einem anfangs vielleicht zu leicht macht, im Dauertest jedoch absolut bestehen kann.

DJ Enrique: The Talent Remix EP (Ladomat 2025)
… aka »die Unmixbare«: scheppernde Grooves im Zeichen des Schneebesen (ja, das Küchengerät …). Neben der auf L’Age D’Or erschienenen »Talent«-EP (zwei Whirlpool-Remixe; auch essentiell) eine weitere Überarbeitung des Workshop-Klassikers »Talent«. House-Musik kann so seltsam sein …

Toys Come To Live: Get It On (Ladomat 2026)
Vorhang auf für Boris Dlugosch (im Front habe ich mir seinerzeit mein Jacket ruiniert …) – Gassenhauer mit allen Nachteilen, aber auch allen Qualitäten, die dieser Status mit sich bringt.

Inzwischen dürften auch die neuesten Scheiben erhältlich sein (Stand März 1996):

Sensorama: Zu Gast Auf Der Welcome Insel (2×12″/CD) (Remixe)
Dolby André: Farbiges Rauschen (12″)
Roman IV: FKK (12″)
The Unknown Files: Munsterland EP (12″)


Ursprünglich erschienen in
R. Behrens / M. Büsser / J. Ullmaier / J. Kleinhenz (Hg.):
testcard #2 – Inland
Ventil Verlag, Mainz 1996, 302 Seiten, ISBN 978-3-931555-01-6
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Anmerkung: Die etwas brachiale Überschrift war seinerzeit eine Verballhornung von »Unser Haus Russland« … da der Alkoholiker Boris Jelzin aber schon seit geraumer Zeit tot ist und für keine Schlagzeilen mehr sorgt, scheint mir der Witz erklärungsbedürftig (30. März 2020).