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Kritik

The Secret Element – Eine Reise durch Klang und Licht

Lesedauer ca. 2 Minuten
Tagesaktuelle, kurze Kritik zu einer Klanginstallation im Würzburger »Kulturspeicher« 2005.

Erschienen im März 2005 in der nummer drei.

Dieser kurze Text war Teil eines Doppel-Features über eine Ausstellung (Madeleine Dietz: »…über der Erde die Sonne. Raumskulpturen«, Text dazu von Angelika Summa) und eine Klang/Licht-Installation von Burkard Schmidl und SvenHöhnke, die zeitgleich vom 26.2. bis 10.4.2005 im Würzburger Kulturspeicher stattfanden.

Das Unbehagen von Madeleine Dietz gegenüber der Verknüpfung von Kunstrezeption mit gewöhnlichem Freizeitgebaren (Kino- oder Diskothekenbesuch) bzw. einer Art Infotainment durch ein spezielles Samstagabendprogramm im Foyer (Vorträge und Filmvorführungen alternierend, Cocktailbar konstant) teilen Burkard Schmidl und Sven Höhnke nicht. Und wissen dabei sowohl die Leitung des Kulturspeichers hinter sich, als auch die Würzburg AG, die beide den modernen Charakter des Events betonen, von der Öffnung des Museums gegenüber neuen Ausstellungskonzepten schwärmen und den Mehrfachnutzen für alle betonen.

Für die beiden Künstler liegt dieser auf der Hand, da sie durch die Öffnung des Kulturspeichers an den kommenden Samstagabenden ein Publikum erreichen, das zu den gewöhnlichen Öffnungszeiten bei Tage die Veitshöchheimer Straße höchstens im Durchgangsverkehr wahrnimmt.

»The Secret Element« präsentiert vier Kompositionen Schmidls in Oktophonie (Raumklang), die Höhnke ausschließlich über Intensität und Farbe des Lichts hinter vorgesetzten, glatten Stoffwänden in Szene setzt. Licht und Klang harmonieren, bei beiden ist der Einsatz von Computern unabdingbar.

Im Gegensatz zu den bisherigen Klanginstallationen Schmidls, die meist unter freiem Himmel (Landesgartenschau, Residenzgarten etc.) zu finden waren und sich mit der jeweils vorhandenen natürlichen oder zivilisatorischen Lautsphäre vermischten, läßt die isolierte Darbietung im Raum die Installation zur überwiegend musikalischen Arbeit werden – und legt die Frage nahe, ob dann die Präsentation in einem Ausstellungskontext als Form den Inhalt adäquat zu transportieren vermag. Nicht zuletzt, weil die »Reise« eher als sich wiederholende, knapp einstündige Rundfahrt angelegt ist – in einem Bus, dessen Fenster aus Milchglas sind, so daß die Umgebung nur schemenhaft vorbeizieht und der Fokus ganz auf Schmidls Bilder gerichtet ist.

In diesen erzählt er von seiner Suche nach dem fünften, dem geheimen Element, das er wie ein Alchemist im (digitalen Computer-)Labor aus der Zerlegung und neuerlichen Zusammensetzung der vorhandenen Elemente (Klänge) zu synthetisieren versucht. Wo andere Installationen – um beim Bild zu bleiben – Klang z. B. als Found Object, Collage, Mischtechnik, monochrome Fläche oder soziale Plastik inszenieren, zeigt Schmidl Aquarellmalerei. So gerät der zentrale Aspekt – die Zerlegung der Klänge – in den vier Tableaus zum unscharfen Hintergrund, während als vordergründiges Bildmotiv romantische Melodiebögen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aber: Wozu sind dann Konzerte da?

Für den Kulturspeicher ist die Öffnung hin zur Klanginstallation sicher ein erster Schritt in die richtige Richtung. Unter formalen und inhaltlichen Aspekten heißt es aber dann: Bitte weiter gehen!


Zuerst erschienen in der Würzburger Kulturzeitschrift nummer, Ausgabe drei (März 2005), S. 23.
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